Diagnose Krebs: Martina Hagspiel über das Leben, den Tod und den Wert der richtigen Vorsorge

Martina Hagspiel (41), lebt heute in Wien und ist im Bereich Marketing und Kommunikation tätig. Doch das war nicht immer so. 2010 ändert die Diagnose Brustkrebs das Leben der jungen Versicherungsmaklerin aus Lustenau radikal und plötzlich findet sie sich selbst in einer Situation wieder, deren Zugang ihr bisher nur theoretisch bekannt gewesen ist. Aus der Vorsorgeberaterin wurde mit einem Schlag eine, die das Glück hatte, selbst vorgesorgt zu haben.

“Frau Hagspiel, bis 2010 waren Sie aktiv als Versicherungsmaklerin tätig. Wie war damals – beruflich und persönlich – Ihr Zugang zum Thema Berufsunfähigkeitsversicherung?”

 

Eigentlich war ich bis Dezember 2013 als Versicherungsmaklerin tätig. 2010 bin ich an Brustkrebs erkrankt und aus meinem eigenen Betrieb für 1,5 Jahre ausgefallen. Als ich wieder in mein Berufsleben einstieg merkte ich, dass ich mich gerne auch noch mit anderen Inhalten beschäftigen möchte. Daher bin ich Ende 2013 aus der Branche gegangen.

 

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) habe ich immer schon aus eigener Überzeugung beraten und natürlich auch für mich selber abgeschlossen.

In meiner Beratung ging es mir vor allem um die Existenzsicherung meiner Kunden. Eine Haftpflicht mit einer zusätzlichen Exzedentendeckung, eine Unfallversicherung und eine BU waren für mich unabdingbar und Basis in jedem Beratungsgespräch. Hatte sich ein Kunde gegen diese Basis entschieden, ließ ich mir das per Unterschrift bestätigen. Das klingt jetzt furchtbar hart, aber neben der Beraterhaftung ging es mir auch darum, meine professionelle Haltung klar zu machen und zu verdeutlichen, dass man mit dieser Existenzsicherung keinesfalls überversichert ist, sondern wir dabei von der Basis sprechen.

 

 

“Dann die Diagnose Krebs. Alles auf den Kopf gestellt. Wie erlebten Sie die erste Zeit nach der Diagnose?”

 

Gleich vorweg: Zum Glück war ich versichert! So konnte mein Betrieb einerseits weiterlaufen und Gehälter konnten bezahlt werden. Aber es war für mich auch essentiell, dass ich mir die Zeit nehmen durfte, um krank zu sein.

 

Die Zeit der Diagnose ist eine Zeit, an die ich mich nur sehr vage erinnern kann. Es ist als würden die Informationen zehn Zentimeter vor deinem Gesicht stoppen und dann erreichen sie dich nur noch häppchenweise. Dass ich Entscheidungen treffen konnte, dafür war mein Umfeld verantwortlich. Sie begleiteten mich zu den Arztgesprächen und halfen mir danach, die Informationen aufzubereiten, Querverbindungen herzustellen und die Entscheidungsgrundlage soweit zu klären, sodass ich zumindest einen Schritt weitergehen konnte.

 

Eine Information kommt natürlich durch: Ich habe Krebs.

 

Emotional erreicht dich diese Information aber erst, wenn die Haare plötzlich ausgehen. Das ist der Moment in dem das Ganze wirklich einsickert. Wahrscheinlich ist deswegen dieser Moment auch emotional so schwierig. Übrigens nicht nur bei Frauen, sondern auch bei Männern.

 

 

“Viele Menschen sind der Meinung, dass sie in so einem Fall ohnehin gesetzlich abgesichert sind. Würden Sie das bestätigen?”

 

Nein, das würde ich klar verneinen! Den Anspruch auf eine gesetzliche Berufsunfähigkeitsversicherung erreicht man nach 180 Beitragsmonaten, das entspricht einer Versicherungsdauer von 15 Jahren. Dann hat man das erste Mal Anspruch auf gesetzliche BU – unabhängig davon, wie hoch die Rente dann ist. Somit ist davon abzuleiten, dass die größte Lücke bei SchülerInnen, StudentInnen und jungen Menschen, die erst in den Berufsalltag einsteigen, besteht. Gerade jene sind aber auch ziemlich günstig versicherbar.

 

In der Selbständigkeit ist das Risiko doppelt so groß. Denn die laufenden Kosten bleiben ja nicht nur privat aufrecht, sondern auch gewerblich. Gleichzeitig brechen die Umsätze weg, speziell in einem Bereich der zu einem großen Teil aus Dienstleistungsumsätzen besteht.

 

Da während der Behandlung auch mit einigen Zusatzkosten zu rechnen ist, und man natürlich auch mehr Freizeit hat und daher mit einem anderen Kostengefüge konfrontiert ist, summieren sich die Ausgaben.

Ich selbst kann nur zurückblicken und sagen: Ich hab die Auszahlungen von BUFT (Betriebsunterbrechungsversicherung) und BU zur Gänze gebraucht, obwohl ich meinen Lebensstandard reduziert hatte und meine Ausgaben so gut wie möglich senkte.

 

“Aus heutiger Perspektive: was können Sie Ihren ehemaligen Branchenkollegen raten?”

 

Haben Sie keine Scheu und sprechen Sie das Thema BU an. Sie tun Ihren Kunden einen echten Dienst.

Aus heutiger Sicht weiß ich, wie wichtig es ist, im Schadensfall einen Versicherungsberater an der Seite zu haben. Obwohl ich selbst gewohnt war Schadensfälle abzuwickeln und Schadensformulare quasi blind ausfüllen konnte, war ich in meiner eigenen Situation nicht nur überfordert, sondern auch emotional nicht mehr in der Verfassung, mich um die Schadenmeldung zu kümmern. Ich war salopp formuliert damit beschäftigt, zu überleben.

 

“2013 haben Sie Ihr Leben als Versicherungsmaklerin endgültig hinter sich gelassen und das Projekt “Kurvenkratzer-InfluCancer” ins Leben gerufen. Würden Sie sagen, es ist ein Herzensprojekt und welches Ziel verfolgen Sie damit?”

 

Inzwischen bin ich beruflich im Bereich Marketing und Kommunikation gelandet. Seit Oktober 2016 bin ich im Österreichischen Gewerbeverein für Marketing und Kommunikation verantwortlich.

 

Die restliche Zeit widme ich, mit meinem Team und unserem Beirat, meinem Verein „Kurvenkratzer-InfluCancer“. Wir widmen uns der Förderung des (öffentlichen) Umganges und der verbesserten Herangehensweise an die Krankheit Krebs. Wir sind ein digitales Erfahrungsportal. Wir sehen Krebs als Lebensumstand, als Lifestyle quasi, den es zu integrieren gilt. Unter dem Motto „talk about cancer“ wird das Tabuthema Krebs mutig, humorvoll, frech und mit einem starken Fokus auf die digitalen Kanäle aufgebrochen.

 

„Egal wie Du über Krebs sprichst. Hauptsache Du tust es.“

Bei uns sind KrebspatientInnen, ihre Angehörigen sowie medizinisches Personal aufgefordert ihr Wort zu erheben und ihren Umgang und die Herangehensweise an das Thema Krebs und ihre Erfahrung damit zu beschreiben. Gleichzeitig liefern wir Inhalte zum Thema und zeigen Lösungswege.

 

Es sollen ein Lifestyle-Medium und ein großer Bloggerbereich entstehen. Um dem Motto „talk about cancer“gerecht zu werden, sorgt eine jährliche Werbekampagne mit den Partnermedien für die Bekanntmachung unserer Haltung: „Egal wie Du über Krebs sprichst. Hauptsache Du tust es.“

 

Start hierfür war bereits im Jahr 2018. Unsere Kampagne hatte einen Medienwert von rund 600.000€ und steht bereits auf der ersten Shortlist für einen Werbe-Award.

Sujets siehe: https://www.influcancer.com/kampagne-2018/

 

Weiters ist im November 2019 der erste Krebsblogger-Kongress namens „InfluCancer“ geplant.

Wenn man unsere Sache und Arbeit unterstützen will, dann kann man bei uns Mitglied werden oder uns mit einer Spende unterstützen.

 

Krebs hat viele Gesichter: In Österreich leben über 350.000 Menschen mit Krebsdiagnose, wobei jährlich 40.000 Personen erneut erkranken. Mit ihren Angehörigen ist mindestens jeder Dritte in Österreich betroffen.

 

 

Wer dem Projekt Kurvenkratzer folgen möchte, kann das hier tun:

Webseite: www.kurvenkratzer.at

Facebook: https://www.facebook.com/Kurvenkratzer.Influcancer

Einblick in die Pressekonferenz talk about cancer: https://youtu.be/ZYKAuCoQA2I 

Martina @TEDx TU Wien: https://youtu.be/UrWwSSQ-5yo

 

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